Ein kleines Häuschen, am Rand der Stadt in Nazareth. Der Lehmboden ist festgetreten. Ein bunter Flickenteppich liegt da. Ein paar irdene Krüge mit Vorräten stehen in der Ecke. Viel ist es nicht, denn die Familie ist arm. Zusammengerollt an der Wand eine Schlafmatte. Die Wände sind ockergelb. Das Licht ist dämmrig. Entfernt gackert ein mageres Huhn, scharrt auf dem staubigen Boden nach Körnern. Ein leiser Wind bewegt die Zweige des Olivenbaums. Die Sonne sticht. Still ist es in der Mittagshitze. Flirrende Luft. Zarte Wolken. Drinnen im Haus ist es kühl. Am Fenster steht Maria. Ihr blaues Kleid ist aus grobem Stoff. Ein bisschen verschlissen schon, aber sie hat nichts anderes. Maria fühlt sich schlapp. Irgendwas stimmt nicht, das spürt sie. Oft ist sie matt. Kann kaum aufstehen. Anders als sonst, denn meistens ist sie voller Energie. Geht gern in die Sonne. Versorgt die Tiere. Trifft Leute und lacht mit ihnen. Aber jetzt fehlt ihr dazu die Kraft. Und morgens ist ihr manchmal schlecht in letzter Zeit. Sie ahnt, was das bedeutet... Schrecklich wäre das... Wie soll das gehen? Schande würde das bringen für die ganze Familie...Josef, sie hat ihn lieb... Aber das ist gegen die Ehre... Was soll sie machen? Soll sie es ihm sagen? Oder einfach nicht dran denken und hoffen, dass es vorbeigeht? Dass es ungeschehen wird? Maria schaut hinaus ... sieht den Schatten zu, wie sie auf dem dürren Gras tanzen... Sie horcht in sich hinein...Sie möchte weinen. Oder weglaufen. Sie schaut in den See more