8.3.1 Die äußere Schwelle Die äußere Schwelle wurde gezogen in Asche, mit einem Stab aus geweihtem Holz. Der Durchmesser betrug exakt 5 Meter – nicht aus Maß, sondern aus Rahmung. Denn mehr als fünf Meter zerreißt die Spannung, weniger als drei erstickt sie. Ich zog die Linie gegen den Uhrzeigersinn, in einem einzigen Zug, ohne Unterbrechung. Jeder Schritt war ein Vers, jeder Vers ein Griff. Ich sprach nicht – ich hörte, während die Linie entstand. Die Asche war nicht rein. Sie enthielt Spuren von Blut, Staub, Erinnerung. Denn Reinheit ist kein Ziel – sie ist Störungslosigkeit. Und Störung ist Teil der Wahrheit. Die Linie war nicht glatt. Sie zitterte, bog sich, flackerte. Denn Resonanz verlangt keine Perfektion – sie verlangt Echtheit. „Die äußere Schwelle ist nicht Schutz – sie ist Filter.“ – Kommentar zur Kreisethik 8.3.2 Die mittlere Schwelle Fünf Runensteine wurden gelegt – nicht gestellt, nicht gesetzt, sondern gelegt, mit der linken Hand, schweigend. Jeder Stein trug eine Rune, jeder Rune war ein Gott zugeordnet: Gott Rune Bedeutung Thalos ᚦ Konflikt, Schutz, Bann Kraos ᚴ Erkenntnis, Wasser, Spiegelung Mantus ᛘ Mensch, Selbst, Gedächtnis Amon ᚨ Botschaft, Stimme, Ruf Herfang ᚺ Wandel durch Krise, Entscheidung Die Steine wurden nicht geometrisch angeordnet, sondern spannungsbasiert. Ich spürte, wo Herfang drängte, wo Thalos hielt, wo Kraos fließt. Und ich legte entsprechend. Die mittlere Schwelle war nicht sichtbar – sie war spürbar. Wer sie betrat, trat nicht in einen See more